Montag, 29. Januar 2018

Knopflochphobie besiegt! Lempi von Named

Lempi war kein Schnittmuster für ein Kleid, das mir sofort gefiel. Diese großen Taschen, die so verdammt tief hängen fand ich sehr seltsam. Vor wenigen Monaten konnte ich dann aber Sybilles Lempi im Original in Köln sehen - das sie aus einem Traumstoff genäht hat - und anprobieren. Ich war angefixt aber nicht überzeugt. Neben den etwas merkwürdigen Proportionen gefällt mir die Länge, die mit der von Agate vergleichbar ist, nicht. Aber der Vorteil vom selber nähen liegt ja schließlich darin, die Länge selbst bestimmen zu können, so dass ich es im November zuschnitt. Ein wenig überrascht bin ich, dass das Kleid - zumindest im Moment noch - lang geblieben ist. Die sehr tief sitzenden Taschen halten mich davon ab, es zu kürzen


Mit der Knopfleiste, dem Kragen, den Schulterpatten und dem Gürtel ist Lempi kein Kleid, das schnell genäht ist. 

Quelle: https://www.namedclothing.com/shop/lempi-button-down-dress/, 29.01.2018

Was die Fertigstellung aber eigentlich hinauszögerte - begonnen hatte ich das Kleid Anfang Dezember - waren die Knopflöcher. Mit meiner alten Nähmaschine stand ich, was Knopflöcher betrifft, auf Kriegsfuß. Einerseits musste man sehr genau nähen, da man die Länge durch Abstoppen und Richtungsänderungen im richtigen Moment bestimmte und - was viel schlimmer war - sie den Stoff in der Regel nicht rückwärts transportierte und ich ihn immer unter der Nadel herziehen musste. Das war kein Spaß.


Die neue Nähmaschine ist nicht hundertprozent zuverlässig, bisher musste ich etwa jedes dritte Knopfläch zwei Mal nähen, aber da sie computergesteuert ist, klemmt man einen entsprechenden Knopf in den Knopflochfuß und schon näht sie Knopflöcher der passenden Länge. Bei meiner alten musste ich einige Knopflöcher nähen bis sie die richtige Länge hatten. Und dann musste ich die Länge auch noch mehrmals genau so hinbekommen. Meistens sahen die Knopflöcher deswegen etwas unterschiedlich aus. Mit der neuen ist einiges einfacher, so dass ich am Wochenende diesem Kleid und einer noch viel länger fertigen Jacke, Knopflöcher und Knöpfe geschenkt habe.


Anschließend musste ich gleich noch den Knopfannähfuß ausprobieren und bin seitdem der Meinung, dass ich nun eine Menge Hemdblusenkleider nähen muss, um das dabei aufkommende Glücksgefühl häufiger zu verspüren. Den Fuß hatte meine andere Maschine auch, so weit ich weiß, gehört er in der Regel zu den Standartfüßchen, die mitgeliefert werden, aber ich hatte ihn nie genutzt.

Hilfreich finde ich auch dieses Teil, das ich im Nähkontor in Berlin gekauft habe:


Damit werden die Abstände zwischen den einzelnen Knöpfen schön gleichmäßig.

Oben rechts in den Bilder hängt übrigens eine Bluse, die seit vermutlich zwei Jahren bis auf die Knopflöcher fertig ist. Sie wird das nächste Projekt und hat sich leider mit auf die meisten Bilder geschmuggelt.


Die Anleitung zu Lempi ist eindeutig und hilfreich. Ich habe das Kleid nahezu ohne Änderungen genäht. Alleine die Brustabnäher habe ich zwei Zentimeter tiefer gesetzt, drei weitere würden ihnen gut tun...

Besonders gut gefallen mir die Nahttaschen. Die aufgesetzten Taschen sind echt aber hängen etwas tief, um wirklich etwas in ihnen zu transportieren. Zudem baumeln sie dann auf den Oberschenkeln rum. Unangenehm. 

Überrascht haben mich die schmalen Schultern, an denen ich absolut nichts geändert habe. Meine eigenen sind schmal. Wer breitere Schultern besitzt, bekommt vermutlich Probleme.


Genäht habe ich das Kleid aus einem der weichesten Wollstoffe mit etwas Stretch, die ich je in der Hand hatte. Ich glaube, dass er aus Roppenheim von Diffusione Tessile (Max Mara) stammt. Dort ist oder war gerade "Sale" und eine ausgesprochen empfehlenswerte Stoffquelle. Die Stoffe haben ihren Preis, liegen aber immer noch ein wenig unter Ladenpreisen und die Qualität ist größtenteils atemberaubend gut. Leider gibt es nur Stoffcoupons begrenzter Länge. Trotzdem: wer in der Nähe ist, sollte einen Abstecher machen.


Ich habe das Kleid heute zum ersten Mal getragen und mich recht wohl gefühlt. Der Gürtel rutscht noch ein wenig, was mich nervt. Er ist für die Gürtelschnalle, die ich im Nähkontor in Berlin gekauft habe, etwas zu schmal. Dafür muss ich noch eine Lösung finden. Eine andere Schnalle will ich nicht, da ich finde, dass dem grauen Stoff etwas Farbe ganz gut tut. Bei einem weiteren Kleid würde ich die aufgesetzten Taschen drei Zentimeter weiter nach oben setzen, die Knöpfe ggf etwas anders platzieren und die Brustabnäher nach unten verlegen. Ansonsten würde ich es genau so nähen. 

Mit Lempi ist auf jeden Fall eine neue Art von Kleid in meinen Kleiderschrank eingezogen. Ich bin gespannt, ob wie oft es diesen in nächster Zeit verlassen wird.

Allen LeserInnen wünsche ich eine schöne Woche!

Und nicht vergessen: In zehn Tagen, am 07.02.2018, ist Me Made Mittwoch!!!

Kommentare:

  1. Ich finde das super, hat mir auf der Named-Seitegar nicht so gut gefallen. Ich finde die großen Taschen cool, und die Gürtelschnalle ist ein echter Hingucker.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  2. Hallo,

    das Kleid gefällt mir sehr. Mich würde interessieren wie das Hilfsmittel für die Knopflöcher heißt. So etwas wäre eine große Hilfe.

    LG Renate

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  3. Sieht sehr luxuriös und bequem aus. Eine ungewohnte Länge - oder täuscht das? Länger ist ja im Winter sowieso schön. So einen Knopf-annähfunktion hat meine Maschine auch und wurde bisher von mir auch noch nicht Genutzt. Leider sehen meine Knopflöcher mit der entsprechenden Funktion meiner Maschine nicht so gut aus, deshalb hier keine Hemdblusen Kleider ...

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  4. Sieht toll aus! Lieben Dank für die genaue Schnittrezension! Für späteres Nachnähen ist das eine große Hilfe!

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  5. Ich mag die Proportionen an dir. Und gerade die vermeintlichen runtergerutschten Taschen und die ungewohnte Länge scheint mir der Garant gegen Beliebigkeit zu sein. Ein richtig schönes und gut sitzendes Kleid (mit Schultern wie beim Isla-Trenchcoat...).
    LG, Bele

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